Chinesen büffeln für Weilburg Drucken E-Mail

Studium an der Technikakademie ab neuem Schuljahr 2010/2011

 

Artikel im Weilburger Tageblatt am 12. Mai 2010 (von Wolfgang Henss)

 

China bleibt in Weilburg ein Thema: „Wenn alles planmäßig verläuft, werden ab 16.08.2010 sechzehn junge chinesische Facharbeiterinnen und Facharbeiter ihr Weiterbildungsstudium an der Staatlichen Technikerakademie Weilburg in unterschiedlichen Schwerpunkten beginnen können“, so Akademieleiter Wolfgang Hill nach seiner Rückkehr aus der chinesischen Stadt Suzhou.

 

In der Berufsschule des Stadtteils Wuzhong hatte der Oberstudiendirektor eine Woche lang  mit seiner Kollegin, Oberstudienrätin Heike Knodt-Hassanien, die studierwilligen Chinesinnen und Chinesen geprüft.  Heike Knodt-Hassanien prüfte die Sprachkompetenz der Chinesen auf einem mittleren Sprachniveau - wie Hörverstehen, freie Aussprache, Lesen und Bearbeiten eines deutschen Textes. In einem kleinen Rollenspiel mussten Alltagsszenen in deutscher Sprache gespielt werden. Wolfgang Hill überprüfte in erster Linie das praktisch-fachliche Grundwissen, besichtigte die Metall- und Elektrowerkstätten, in denen nach Lehrplan die Fachausbildung erfolgt. Die „harte Prüfung“, so Hill, bestanden zwölf Schüler/innen ohne große Beanstandungen. Bei vier Prüflingen müsse noch nachgebessert werden. Alle, die in China bereits seit zwei Jahren Deutsch lernen, sollen bis Ende Juli 2010 einen weiteren intensiven Deutschkurs in China erhalten. Außerdem ist geplant, dass sie später in Weilburg Stützkurse belegen. Ziel der Ausbildung in China ist, dass die Chinesen in der Weilburger Technikakademie in der Lage sind, am Unterricht in deutscher Sprache ohne Probleme teilnehmen zu können und nach zweijährigem Studium ein staatliches deutsches Zertifikat in den Händen halten. Sie müssen sich dabei neben ihren deutschen Mitstudierenden behaupten. Sie werden vorwiegend im Bereich der Informationstechnik und Datenverarbeitung unterrichtet.

 

Erinnerungsfoto mit dem Direktorium der Wuzhong Berufsschule und den Gästen Heike Knodt-Hassanien (vierte von links) und Wolfgang Hill (vierter von rechts) sowie Schulleiter Xiaotian Ding (Mitte)

 

Studium in Weilburg als Maßnahme, um Vertrauen zu bilden

 

Auch wenn die „neuen“ Chinesen in Weilburg ebenso im Studierendenwohnheim im Windhof wohnen werden, so unterscheidet sich das jetzige China-Projekt der Technikakademie grundlegend vom ersten Auftreten einer chinesischen Klasse vor einigen Jahren. Die jungen Chinesen, die vorwiegend aus der Stadt Dalian stammten, bildeten eine gemeinsame Klasse und litten unter erheblichen Sprachproblemen, zumal sie recht abgekapselt lebten. Dieses Projekt war eine sog. „Nullrunde“, auch wenn drei der damaligen Absolventen mittlerweile für deutsche Firmen in China arbeiten. Genau das, so Wolfgang Hill, ist eine der wesentlichen Zielsetzungen dieses deutsch-chinesischen Bildungsprojektes. Hill sieht das Studium der Chinesen in Weilburg auch als vertrauensbildende Maßnahme zwischen beiden Staaten und Völkern. Die jungen Chinesen sollen später einmal aufgrund ihrer Deutsch- und Fachkenntnisse in der Lage sein, deutsche Firmen in China zu unterstützen oder aber auch für chinesische Firmen auf dem deutschen Markt zu arbeiten. Den jetzigen Kontakt hergestellt hat eine ehemalige Mathematiklehrerin der früheren Technikerschule, deren Bekannte in der Stadt Duisburg für deutsch-chinesische Beziehungen zuständig ist. Zur Zeit werde am Einreisegenehmigung­sverfahren in unterschiedlichen Behörden gearbeitet, um die Einreise für  einen zweijährigen Aufenthalt vorzubereiten. Hill ist davon überzeugt, dass nach diesen soliden Vorbereitungen auch diese letzte Hürde erfolgreich genommen werden kann. Sollte das neue China-Projekt der Technikakademie von Erfolg gekrönt sein, geht Wolfgang Hill von einer Fortsetzung aus, zumindest solange er Leiter der Einrichtung ist.

 


Stadt Suzhou

Die Stadt Suzhou, aus der die zukünftigen Studierenden an der Technikakademie Weilburg stammen, liegt etwa eineinhalb Stunden entfernt von Shanghai. Mit einem Hochgeschwindigkeitszug ist der Flughafen Shanghai in nur einer Stunde zu erreichen. Die Stadt liegt am drittgrößten Binnensee Chinas, gilt wegen ihrer vielen Kanäle als „Venedig des Ostens“, hat neun Millionen Einwohner und ist seit dem 14 Jahrhundert bis heute führend in der Seidenproduktion. Seit 1981 wurde Suzhou in die Liste der Städte aufgenommen, deren historisches und kulturelles Erbe unter besonderen Schutz gestellt werden sollte. Suzhou ist ein Zentrum der Hightech-Industrie und seit 1985 eine der Sonderwirtschaftszonen. Seit 1997 sind einige der Parks in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

 
Veranstaltungen:
6. Weilburger Trialog am 18. Juni 2010

Nachbetrachtung zum Trialog - Thema: "Grüne Innovation"

 

Presse:
Gute Ideen für erneuerbare Energien

Die Nassauische Neue Presse vom 12. Juli 2010 berichtet

 

 
Arbeitswelt gleicht heute einer Patchworkdecke

Die Nassauische Neue Presse vom 10. Juli 2010 berichtet